Bunte Garne aus exotischen Fasern


Wie kein zweites gilt das Spinnrad als Symbol der traditionellen Garnherstellung und steht für eine Jahrhunderte alte Handwerkskunst, die ausschließlich von Frauen ausgeübt wurde. Mit Ausgang des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung, Maschinen ersetzen das mechanische Spinnrad, die Technik wurde immer besser und die Handwerkskunst des Spinnens drohte auszusterben. Brigitte Rupprecht ist eine der Frauen, die sich auf dieses Handwerk noch verstehen. Erstmals ist sie auf dem Linner Flachsmarkt dabei und verwandelt ihren Stand in eine Spinnstube.

Darin finden die Besucher neben handgesponnenen Garnen und Spinnfasern auch Objekte aus Seidenkokons sowie handgemachte Papiere aus Kokons. Für viele Interessierte, die sich über hübsche „Endprodukte“ freuen, dürfte gerade der Entstehungsprozess, den Brigitte Rupprecht demonstriert, überraschend sein. Denn Spinnen ist ein ebenso mühsamer wie langwieriger Prozess. Es dauert, bis aus der Seide ein Faden gesponnen ist, der weiterverarbeitet werden kann. Nicht umsonst gehen Redewendungen wie „die spinnen“ oder „rumflachsen“ auf das Handwerk des Garnspinnens zurück: In den Spinnstuben blieb viel Zeit, um sich zu unterhalten und Geschichten zu erzählen.
Die 67-jährige Freiburgerin hat sich vor allem auf die Verarbeitung von exotischen Materialien spezialisiert. „„Ich spinne gerne ungewöhnliche Fasern wie Banane, Soja oder auch verschiedene Seidenarten“, betont Rupprecht. Gerade das große und breitgefächerte Angebot an verschiedenen Fasern ermögliche es, individuelle und ungewöhnliche Garne zu spinnen, die sich im Zusammenspiel mit ihrer Farbgebung deutlich von maschinell gesponnenen Garnen abheben, erläutert die Freiburgerin die Faszination ihres Handwerks. Zu dem ist die gelernte Fremdsprachensekretärin übrigens eher zufällig gekommen: „Ich habe bei einer Bekannten erstmals das Spinnen ausprobiert und war so begeistert, dass ich danach mehrere Kurse besucht habe“, berichtet Rupprecht, die auf diese Weise über die Jahre ihre Expertise stetig ausgebaut hat.