Vier „Fernsehfrauen“ präsentieren ihr Handwerk

Flachsmarkt rund um Burg Linn

Lul_2_DSC9435-webKennengelernt haben sich Kürschnermeisterin Anke Windmann aus Ostwestfalen, Glasperlenmacherin Karin Höflich aus dem Rheinland, Holzbildhauserin Gesa Wilmsmann aus Dortmund und Stoffdruckerin Ellen Ostendorf aus dem Münsterland quasi in einem alten Bus, mit dem sie im wahrsten Wortsinn über Land gefahren sind. Alle vier einte eine Mission: Bei der WDR-Kultsendung „Land & Lecker“ wollten die Landfrauen als gute Gastgeberinnen mit Kreationen aus der Küche überzeugen. Die Fernsehzuschauer konnten ihnen dabei über die Schulter schauen. Diese Möglichkeit haben nun auch die Besucher des Flachsmarktes. Hier wird zwar nicht gekocht, aber von Samstag, 7., bis Montag, 9. Juni 2014 (Pfingsten), stellen die vier Damen beim 39. Flachsmarkt auf Burg Linn jeweils ihr Handwerk vor.

Kürschnermeisterin Anke Windmann hat schon mit acht Jahren Kleider für ihre Barbie-Puppe entworfen; mit elf Jahren hat sie sich selbst sowie auch ihre Mutter eingekleidet. Da lag die Berufswahl nahe. Weil sie aber keine Lehrstelle im Schneiderhandwerk fand, entschied sich die 51-Jährige, Kürschnerin zu werden – also Pelzbekleidung und andere Pelzprodukte zu fertigen. Mit nur 23 Jahren war sie die jüngste Kürschnermeisterin Deutschlands.

Anke Windmann hat sich heute auf das Re-Design getragener Pelzbekleidung spezialisiert. So entstehen aus einem Fellkragen oder einer Kappe beispielsweise Pulswärmer, Taschenanhänger oder ein Kapuzenbesatz. Ein Pelzmantel wird zu einer gemütlichen Kuscheldecke, einer Tasche oder einer Kissenhülle umgearbeitet. Die Bandbreite ist groß. Auf dem Flachsmarkt stellt die Westfälin die Arbeit des Kürschnermeisters vor. Mit dabei hat sie auch eine Pelzmaschine, mit der sie ihre Produkte fertigt. Außerdem stellt sie ihre Kollektion aus Re-Design-Stoffen sowie aus neuen Stoffen und Wolle gefertigte Unikate vor.

Bereits seit 1984 arbeitetGlasperlenmacherin Karin Höflich mit dem fragilen Material und ist heute noch genauso fasziniert davon wie damals. Angefangen hat alles mit klassischen Tiffany-Arbeiten. 1997 besuchte die heute 44-Jährige die Sommerakademie in Frauenau und erlernte das Glasblasen vor der Lampe. Diese Art der Glasverarbeitung weckte in ihr den Wunsch, weiter mit Heißglas zu arbeiten.

Anfang 2005 entdeckte die Rheinländerin aus Langenfeld ihre Leidenschaft für das Weichglas und die Perlen. Seitdem widmet sie sich dem Spiel mit der Schwerkraft und den Farben. Karin Höflich arbeitet in der Regel mit Gläsern aus der Reichenbach- und Muranoglashütte, die mit ihrer Farbenvielfalt die Kreativität anspornen. Die zeigt sich in ihren Produkten: Hauptsächlich formt Karin Höflich Ess- und Vorlegebestecke, die auch die Besucher des Flachsmarkts bewundern können.

Der Besuch einer Veranstaltung zum Thema „350 Jahre Westfälischer Frieden“ hat der Holzbildhauerin Gesa Wilmsmann (32) den beruflichen Weg gewiesen. Das war 1998: Damals versuchte sich die Dortmunderin im Rahmen dieser Veranstaltung im Steinbildhauen; das brachte sie schließlich zur einer Ausbildung zur Holzbildhauerin. Mit Hilfe von Schnitzbock, Figurenschraube, Schnitzeisen und Schnitzmessern, Knüpfel, Kettensäge und Plastillinmodellen erschafft die 32-Jährige heute Holzskulpturen zwischen zwei Zentimetern und zwei Metern Größe. Meist handelt es sich dabei um Objekte aus Faltenwürfen oder Portraitköpfe. Auf dem Flachsmarkt präsentiert sie ein Faltenwurf-Ratespiel, ein Flammen-schachspiel, Capoeiristas aus Thuja, Faltenwurfschalen einen Jugendstil-käfer an Distelranken und Portraitköpfe.

Im zarten Alter von 15 Jahren begeisterte sich Diplom-Produktdesignerin Ellen Ostendorf für einen handgestochenen alten Stoffdruckstempel aus Holz, so dass sie begann, diese Druckmodeln zu sammeln. Das war sozusagen die Initialzündung: Bis heute hat sie in ihrem eigenen Unternehmen Blauweiß’chen GmbH ca. 2500 unterschiedliche Modelmotive (Druckstempel) nach alten Originalen sowie nach eigenen Entwürfen entworfen und gefertigt. In Kombination mit den ebenfalls von Ellen Ostendorf entwickelten Farben ist es auch Laien möglich, handgedruckte textile Unikate zu erstellen. Wie das geht, zeigt die 54-Jährige aus Ascheberg nicht nur auf Kunsthandwerkermärkten, sondern auch in Seminaren, die sie in ihrem Unternehmen anbietet.

An alle drei Flachsmarkttagen führt Ellen Ostendorf das Drucken mit Modeln auf Papier und Stoff vor. Sie zeigt, wie jeder „Stempel“ in allen möglich Varianten angedruckt werden kann und somit eine große Vielfalt von Nutzungsmöglichkeiten aufweist: als Fläche, Bordüre, Eckmotiv oder Rosette.

Die Besucher haben die Gelegenheit, sich ihr Lieblingsmotiv auszusuchen, denn Ellen Ostendorf hat Hunderte Druckmodeln im Gepäck. Ebenfalls mit dabei hat sie „Blauweiß’chens Feine Farben“, die sich zum Bedrucken von allen Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Wolle und Seide sowie Papier eigenen. Ebenfalls erhältlich sind handgedruckte Unikate: Lavendelbeutel, kleine Deckchen, Sets und Läufer, Mitteldecken und vieles mehr.